CampusGrün Hamburg

Aktuelles

Ökologie, Feminismus und Wissenschaftskritik

25. Juli 2021

vom marxistischen Ökofeminismus zu Queer Ecologies und Naturecultures

Einladung zum Wochenendseminar vom 10.-12.9.2021

In der aktuellen Pandemie wird sowohl die Ausbeutungen der nicht-menschlichen Natur, als auch die Ausbeutung von FLINTA:s im Kapitalismus besonders sichtbar: Zoonosen, deren Entstehung durch ein ausbeuterisches Mensch-Natur Verhältnis mindestens befördert wird, bedrohen unsere Gesundheit; gleichzeitig wird die Hauptlast der Krise auf FLINTA:s abgewälzt, da durch die Pandemie noch mehr reproduktive Arbeiten wie Kinderbetreuung, Pflege und Haushaltsführung als sonst anfallen.

Doch nicht erst mit Corona werden diese Unterdrückungsverhältnisse deutlich. Schon marxistische Feminist:innen der zweiten Welle erkannten, dass die Ausbeutungen der nicht-menschlichen Natur und von FLINTA:s im Kapitalismus als vermeintlich frei verfügbare Ressourcen Parallelen aufweisen. Gleichzeitig entbrannten in und um die ökofeministische Bewegung Auseinandersetzungen um essentialistische und esoterische Tendenzen. An diesen Konflikten lassen sich bis heute Bruchlinien zwischen den verschiedenen Strömungen der Denkrichtung erkennen. Vor dem Hintergrund neuerer Forschung zu Gendertheorie und situiertem Wissen wurden von Wissenschaftler:innen und Aktivist:innen alte Erkenntnisse des Ökofeminismus erweitert und neue theoretische Strömungen wie die „Queerecologies“ und Teile des „New Materialism“ begründet.

An den Universitäten sind ökofeministische Inhalte noch immer kaum vertreten und auch die eigene wissenschaftliche Praxis wird selten kritisch hinterfragt. Gleichzeitig wird in weiten Teilen der Wissenschaft die Ideologie einer vermeintlich "natürlichen" binären Ordnung zwischen "Männern" und "Frauen" bzw. zwischen Kultur und Natur stetig reproduziert.

Im Wochenendseminar wollen wir einen vertiefenden Blick auf die unterschiedlichen Strömungen des Ökofeminismus und auf Konzepte wie "Natureculture" werfen und darüber diskutieren, inwiefern die Hochschulen Erkenntnisse aus der Bewegung in den Wissenschaftsbetrieb aufgenommen, vertieft und als Anlass genommen haben, die eigene Art der Wissensproduktion ökofeministisch zu reflektieren gemeinsam mit gemeinsam mit Prof. Christine Bauhardt (HU Berlin), Dr. Katharina Hoppe (Goethe-Uni Frankfurt) und Franziska Dahlmeier (Uni Hamburg).

📖 Hier gehts zum Programm. Kleine Änderungen behalten wir uns vor.

ORGA-INFOS

📅 Meldet euch gerne so frühzeitig wie möglich hier zum Seminar an!

🦠 Gegenwärtig ist das Seminar in Präsenz in Hamburg mit einem Pandemieschutzkonzept geplant. Weitere Infos hierzu erhaltet ihr hier auf unserer Homepage und nach der Anmeldung (folgt unten).

⛪️ Der genaue Veranstaltungsort steht noch nicht fest, wir werden euch natürlich rechtzeitig darüber informieren. Das Seminar ist für Studierende aller Fachrichtungen geeignet und unabhängig von einer Mitgliedschaft bei Campusgrün. Vorkenntnisse sind nicht notwendig. Für Unterbringung in WGs und Wohnungen ist gesorgt (bei Bedarf auch FLINTA* only). Für die Verpflegung ist am Samstag ein gemeinsam Mittagessen und am Sonntag ein Frühstück geplant. Da das Budget vom BMBF sehr begrenzt ist, bitten wir euch, euch um sonstige Verpflegung selbst zu kümmern. Fahrtkosten können wir bis zum BahnCard 50 Flexpreis für die entsprechende Strecken erstatten. Bucht bitte so früh wie möglich und mit Stonierungsoption (Falls die Inzidenzwerte bis September zu stark ansteigen werden, wird das Seminar wahrscheinlich online/hybrid stattfinden. Wir erstatten euch dann den Stono-Betrag). Wir erheben einen Unkostenbeitrag von 15 € - falls ihr dafür aus irgendwelchen Gründen nicht aufkommen könnt, sollte euch das jedoch nicht an der Teilnahme hindern. Schreibt uns dann gerne!

Wir freuen uns auf euch und den gemeinsamen inhaltlichen Austausch! Eure Hamburger CampusGrüne (in Kooperation mit dem CG-BuVo) 💥

Austauschtreffen: Schuldenfalle Corona-Notfalldarlehen

02. Juli 2021

Eine Milliarde Euro neue Schulden haben Studierende bundesweit währen der Coronakrise aufgenommen. Kein Wunder, denn es sind unsere Jobs, die häufig unsicher sind und von denen zwei von fünf während der Pandemie vernichtet wurden. Das hat unsere Existenzgrundlage massiv gefährdet. Auch weil das BAföG schon seit Jahrzehnten nicht dazu taugt, unseren Lebensunterhalt zu sichern. Doch der Senat hat unsere Forderung nach einem Solidarsemester und finanziellen Hilfen blockiert. Statt echten Zuschüssen gab es mit dem „Hamburger Corona-Notfalldarlehen“ nur einen geliehenden Kredit, der die Krise für viele von uns lediglich verzögert hat.

Im inzwischen dritten Onlinesemester, nachdem weit mehr Leute als sonst ihr Studium abbrechen mussten, tut der Hamburger Senat so, als sei alles wieder "normal" - und fordert seit Mai von 722 von uns Studis das ohnehin absolut ungenügende Notfalldarlehen zurück. Das ist zynisch, denn wir werden so dazu gezwungen für die Krise zu zahlen, obwohl bereits vor der Krise die Hälfte von uns unterhalb der Armutsgrenze lebt. Deshalb wollen wir uns miteinander vernetzen, austauschen und darüber beraten, ob die Umverteilung von uns Studis in die Taschen der Krisenprofiteur*innen wirklich alternativlos ist. Ihr habt auch ein Notfalldarlehen abgeschlossen und wollt von euren Erfahrungen berichten, weitere Infos zu Rückzahlungs- und Erlassmöglichkeiten bekommen und euch mit anderen Betroffenen austauschen? Dann kommt getestet zu unserem Austauschtreffen vorbei und meldet euch dafür unter kontakt @ campusgruen.org an!

Redebeitag auf der Demo: "Rettet Hamburgs Natur - Jeder Baum zählt" (29.05.2021)

29. Mai 2021

Redebeitrag: Mehr kritische und intervenierende Wissenschaft für den Erhalt der Hamburger Grünflächen

Als Studierende kommen wir mit den ökologischen Krisen im Rahmen des Studiums eher in Form von abstrakten Thematiken wie der Klima- und Biodiversitätskrise, also als globale Probleme, in Kontakt. Auf der Ebene der wissenschaftlichen Theorien in den vergangenen Jahrzehnten einiges in Bezug auf das Naturverhältnis getan: In den Sozialwissenschaften wird die künstliche Trennung zwischen Mensch und Natur zunehmend kritisch hinterfragt und das Naturverhältnis als gegenseitige Abhängigkeit betrachtet oder wie die kritische Anthropologin Anna Tsing es formulierte „Menschliche Natur ist eine Angelegenheit zwischen Spezies". Die dabei implizierte Ent-Romantisierung der Natur ist radikal, denn sie fordert dazu auf, alle Lebensweisen daraufhin zu analysieren wie und warum, Beziehungen zu anderen Lebensformen gestört werden. Damit wird auch die kapitalistische Produktionsweise an sich hinterfragt, denn eines ist sicher: Profitmaximierung kann nur mit Entfremdung von Natur und der Dekomplexierung ökologischer Systeme stattfinden. Ein entromantisiertes Naturverständnis würde man auch gerne einigen politischen Verantwortlichen nahelegen, die Natur vor allem als den Ort für Freizeit-Aktivität oder als abstrakten Faktor in der Lösung von Problemen wie der Klimakrise sehen.

Dass es eigentlich um Hamburgs Natur schlecht steht, wird aber bei der konkreten Betrachtung der vielen umkämpften Grünflächen deutlich, die hier heute von den verschiedenen Initiativen repräsentiert werden. Das Grün in der Politik des Hamburger Senats ist leider mehr Schein als Sein. Überall wo es Interessenskonflikte mit der Industrie oder Wohnungsbau-Unternehmen geben könnte, wird sich gegen Grünflächen entschieden. Vermeintliche Ausgleichsmaßnahmen sind meistens keine: Ein Baum kann eben nicht einfach durch einen anderen Baum an anderer Stelle ersetzt werden.

Da, um wieder zur Universität zurückzukehren, würde man häufiger kritischere Stimmen aus den Wissenschaften erwarten. Es gibt genug Argumente gegen konkrete Maßnahmen wie die Elbvertiefung, die Hafenerweiterung, die Flächenverdichtung und und und… - trotzdem hört man wenig. Nicht zuletzt die immer schlechter werdende Grundfinanzierung der Universitäten als auch die weitere Verschulung des Studiums sind hierfür wesentliche Gründe. Auch im kommenden Haushalt sollen Forschung, Lehre und Bildung nicht genug Grundmittel zur Verfügung gestellt werden, Professuren und Schwerpunkte (meist die kritischen zuerst) werden gestrichen, die Abhängigkeit von Drittmitteln und somit von Geldgebern die auch politische Akteure sind, steigt. Deswegen wird es am kommenden Samstag eine Demonstration gegen weitere Kürzungen unter dem Titel stop the cuts um 13:00 vor dem Hauptgebäude der Uni Edmund-Siemers-Allee geben - zu der wir euch herzlich einladen!

Dass Wissenschaft generell aber auch anders sein könnte, zeigen auch Erfahrungen aus der Vergangenheit. Gerade studentische Forschungsprojekte haben immer wieder kritisch-wissenschaftlich in städtische Konflikte eingegriffen. Ein gutes Beispiel ist die (studentische) Umweltschutzgruppe Physik-Geowissenschaften, die Anfang der 80er durch eigene Untersuchungen nachgewiesen hat, dass der Kupferproduzent „Norddeutsche Affinerie“ (kurz Affi) jahrelang stark schwermetallhaltige Abgase und Abwässer in die Elbe und die Luft abgab. Das führte zumindest zu einem kräftigen Image-Schaden, wenn auch nicht zur Schließung des Unternehmens, dass den meisten heute nur noch als Aurubis bekannt sein dürfte.

Wir meinen, dass es heute wieder viel mehr solcher kritischen Wissenschaft bedarf. Deshalb ergänzen wir zu den vielen wichtigen hier heute genannten Forderungen, dass es unbedingt eine finanzielle Grundlage und eine demokratische Planung und Durchführung von solcher Kritischer Wissenschaft braucht, die ihren Mund aufmacht, sich in konkrete Konflikte einmischt und klar Position für eine ökologischere Perspektive bezieht.

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